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Buchhinweis







Bibliographische Angaben:

Andreas Folkers

Fossile Moderne

Eine Naturgeschichte der Gegenwart. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2483.Suhrkamp Verlag GmbH, Berlin 2026. ISBN 978-3-518-30083-1

 




ZUM BUCH:

Für den Autor ist unsere Vergangenheit von fossilen Brennstoffen geprägt, die bis in unsere Gegenwart ihre Wirkung entfalten und natürlich auch Ursachen der vielfältigen (Klima) Krisen unserer Gegenwart sind, genauso wie sie „gegenwärtige Formen von Freiheit und Fortschritt, Krieg, Kolonialismus und Kapitalismus, linearer Zeit und globalem Raum“ prägen. So kann er von „Fossiler Moderne“1 sprechen. Er formuliert: „Der Erwärmungseffekt von CO2 in der Atmosphäre setzt immer erst mit einer signifikanten Verzögerung ein, so dass die Hitze, die wir heute spüren, auf eine scheinbar weit entfernte industrielle Vergangenheit verweist. Von diesem Fortwirken der Vergangenheit bis in die ferne Zukunft handelt dieses Buch. Es versucht sich an einer Ätiologie einer aus den Fugen geratenen sozialen und ökologischen Gegenwart; einer Gegenwart, der ihre Selbstpräsenz abhandengekommen ist, insofern sie von Gewesenem und Kommendem, vom Gewesenen als Kommenden, bedrängt wird. Der Abstieg in den historischen Bergwerksschacht ist in diesem Sinne nicht nur eine Reise in die Vergangenheit. Er ist der Schlüssel zur Zukunft“ (S. 11

Das Inhaltsverzeichnis spiegelt denn Argumentationsgang des Buches

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Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9

Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

 

Teil I

Ressourcen

1 Extraktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

2 Abstraktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109

3 Akzeleration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 145

Zwischenbetrachtung: Die Illegitimität der Neuzeit . . . . . . . 185

 

Teil II

Residuen

4 Akkumulation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195

5 Dissipation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 241

Zwischenbetrachtung: Von disruptivem zu reparativem

Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283

 

Teil III

Reparaturen

6 Recycling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293

7 Responsibilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341

8 Reparation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 395

Schluss: Revolutionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 447

 

 

zum Autor:

Andreas Folkers ist Marie-Curie-Fellow an der Columbia University in New York und am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main.




Einordnung für die Bildungsarbeit

Die Thematik gehört auch in die Naturphilosophie. „Fossile Moderne“ gibt der Natur als unserer Lebensvoraussetzung ein besonderes Gepräge.

Das Buch entwickelt einen Argumentationsgang, der natürlich (auch kontrovers) diskutiert werden kann.

Ein Impuls für eine Problemdiskussion (ab ca. Klasse 11):

Die extensive Nutzung fossiler Ressourcen trägt zugleich zur Proliferation fossiler Residuen wie CO2, Plastikmüll und giftigen Petrochemikalien bei, die für ökologische Schäden wie Bodendegradation, Vergiftung von Organismen und Ökosystemen und natürlich die globale Erhitzung verantwortlich sind. Sie haben ökologische Kettenreaktionen ausgelöst, die zur massiven Reduktion der Biodiversität beigetragen haben. Fossile Materialitäten sind damit ein, wenn nicht das entscheidende Medium, durch das sich moderne Gesellschaften in das Erdsystem eingeschrieben haben. Fossile Brennstoffe sind deshalb nicht nur die Grundlage der Moderne. Sie untergraben auch moderne Selbstverständnisse und Lebensweisen. Sie haben neben der Globalisierung ein planetarisches Geschehen zum Vorschein gebracht, das die ökologischen Grenzen des gesellschaftlichen Expansionsstrebens anzeigt.“ (S. 16)

 




Martin Geisz, 2026



1„Was ist die fossile Moderne? Dieses Buch unternimmt eine Neubeschreibung der Moderne als fossile Moderne. Es untersucht moderne Gesellschaften also nicht nur unter dem Gesichtspunkt ihrer sozialen Strukturen und Wertgrundlagen, sondern ausgehend von ihren entscheidenden materiel- 16 len Grundlagen – Kohle, Öl und Gas – und den Infrastrukturen, die diese herausfordern und fördern. Fossile Brennstoffe können auf vielfältige Weise als materielle Grundlagen der Moderne angesehen werden. Als Energiequellen und als Grundstoff für Düngemittel, Pestizide und Kunststoffe ermöglichten sie ein bisher unbekanntes Wirtschaftswachstum (Altvater 2007; Malm 2016). Sie haben die grüne Revolution in der Landwirtschaft vorangetrieben (Pfeiffer 2006) und neuartige Muster der Mobilität und der Konsumkultur geschaffen (LeMenager 2014; Huber 2013). Sie provozierten neue Formen des Regierens und Wirtschaftens (Coronil 1997; Mitchell 2011). Die fossil betriebene Mobilität hat den Weg für neuartige räumliche Konstellationen geebnet – von der (Sub-) Urbanisierung bis zur Globalisierung (Urry 2013; Sheller 2018b). Fossile Materialitäten haben eine typisch moderne Zeiterfahrung ermöglicht, indem sie die Gesellschaft beschleunigt und von den Zyklen der Natur unabhängig gemacht haben (Folkers 2021a); sie sind zur Beute (neo)kolonialer Projekte geworden und bilden bis heute immer wieder Zündstoff für geopolitische Konflikte (Appel 2019; Graf 2014; Yergin 1991); sie haben aber auch das Profil moderner Wertvorstellungen und Institutionen geprägt, indem sie Freiheit an Energieverbrauch (Chakrabarty 2022, 62) und Fortschritt an fossiles Wirtschaftswachstum gekoppelt haben.“ (S. 16)