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Materialien „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ - Globales Lernen und Philosophie lernen
Buchhinweis |
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Bibliographische Angaben: |
ANDREAS KOSSERT Elsas Welt AUF DEN SPUREN MEINER GROßMUTTER. EINE FAMILIENGESCHICHTE AUS LODZ Verlag Siedler. München 2026. ISBN: 978-3-88680-973-8
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ZUM BUCH: |
Der Autor Andreas Kossert folgt den Spuren seiner Großmutter Elsa ins polnische Lodz „Mit 650000 Einwohnern ist Lodz heute die viertgrößte Stadt Polens. Wie kaum ein anderer Ort wird in ihr die jüngere Geschichte Europas greifbar: Lodz steht für eine historisch gewachsene Vielfalt und für deren erbarmungslose Vernichtung. Von Polens Hauptstadt Warschau nach Lodz sind es bloß 128 Kilometer, von Berlin aus 483 Kilometer. Der mehrmals täglich verkehrende Eurocity Berlin-WarszawaExpress verbindet zwei europäische Hauptstädte. Will man jedoch von Deutschland aus nach Lodz, muss man bis heute im Provinzbahnhof Kutno umsteigen. Lange Zeit litt die Stadt unter ihrem Schmuddelimage, galt als vernachlässigt, heruntergekommen, stinkend und hässlich. Im innerpolnischen Ranking liegt sie noch heute oftmals hinter Krakau, Warschau, Danzig, Breslau und Posen. Lodz war wie eine offene Wunde, die in Polen häufig Mitleid oder Abscheu hervorrief.“ (S.32)
Der Autor formuliert zu seiner Familiengeschichte: „Die Geschichte meiner Familie steht stellvertretend für die große Erzählung der Migration. Ihr konkretes Beispiel kündet von einer Erfahrung, die mich immer schon fasziniert hat. Millionen Menschen setzten ihre Hoffnung auf den Osten Europas, ein leiser, über Jahrhunderte währender Vorgang. Unter ihnen waren meine Vorfahren, eine deutsche Familie in Polen. Mich bewegt die Frage, wann und wie sie dort hingelangten, was sie dort erwartete und wie sie ihre Chancen nutzten. Als Deutsche waren sie zunächst einmal »Fremdlinge«, wie eine polnische Quelle die Neuankömmlinge 1791 nannte. Ab welchem Zeitpunkt definierten sich diese Fremdlinge als Angekommene? Wie sahen sie selbst auf das Eigene und auf das Fremde? Was verband sie mit der neuen Heimat und was trennte sie von ihr? Das 20.Jahrhundert und seine Nationalismen schufen jene moderne Definition von Minderheit, die ein weites Feld für Instrumentalisierungen auftat. »Mutterländer« entdeckten ihre anderswo lebenden Landsleute als »unterdrückte« Minderheiten. Fortan wurden Sprache und Abstammung zu einem internationalen Politikum, weshalb Revisionismus und »Volkstumskampf« 18 die erste Jahrhunderthälfte prägten. Ethnische Minderheiten wurden so vereinnahmt und zum Spielball von Loyalitäten. Elses Heimatstadt Lodz ist ein Ort, in dem sich diese Seite der europäischen Geschichte wie unter einem Brennglas lesen lässt. Die Zerstörung dieser einzigartigen, von ethnischer Vielfalt geprägten Lebenswelt durch die deutschen Besatzer bedeutete zugleich das Ende der jahrhundertealten Geschichte der Deutschen in Zentralpolen. Nationalismus, Krieg und Vertreibung waren verantwortlich dafür, dass meine Familie erstmals nach vielen Jahrhunderten nach Deutschland zurückkehrte, das für sie ein fremdes Land war“ (S. 17f So präsentiert er ein Familienporträt und gleichzeitig einen Zugang zu wesentlichen Elemente der Geschichte Mitteleuropas mit all den Hoffnungen und Katastrophen für die Nationen und die einzelnen Menschen.
Das Inhaltsverzeichnis spiegelt die Schwerpunktsetzungen:
Inhalt GroßmutterLand 11 Nach Lodz 21 Aufbruch ins »Gelobte Land« 38 Zwischen Oder und Posemukel: Elses Vorfahren 53 Wilhelmine: Der Grabstein im Straßengraben 58 Endlich Lodz 67 Samuels Traum 70 Elsa, Else 80 Pan Artur, Kraut Moishe und die olle Futterleibn: Elsas Nachbarschaften 97 Der König von Bałuty: Von Gaunern, Dieben und Freudenhäusern 120 Elsa grüßt Amerika: Eine Kindheit in Lodz 133 Pauls Familie an Ner und Bzura 150 »Noch ist Polen nicht verloren«: Pauls Geschichte 169 Else und Paul: Gemeinsame Träume in der Zweiten Polnischen Republik 177 1939: Zwischen allen Stühlen 185 »Litzmannstadt« 199 Volksliste 526018: Alltag zwischen Germanisierung und Vernichtung 226 Im falschen Haus: Die Hausnummer 225 251 »Wir mussten zusehen«: Der Massenmord von Zgierz 255 »Aus dem Haus geschmissen«: Elses Hölle 262 »Darüber kann man nicht sprechen«: Das Lager 277 Flucht aus Polen 281 Plötzlich »Pollacken«: Ankunft im Westen 287 »Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen«: Elses Kampf um Anerkennung 294 »Ich habe noch den Krieg von 39 in den Gliedern sitzen«: Das stille Leben danach 300 Pauls Beerdigung: Ein Lodzer Heimattreffen 306 Romans Koffer: Meine wiederentdeckte Familie in Polen 310 Familientreffen an der Bzura 328 Mehr Lodz, als ich dachte: Spurensuchen 333 Rückkehr nach Lodz 344
ZUM AUTOR: „ Andreas Kossert, geboren 1970, studierte Geschichte, Slawistik und Politik. Der promovierte Historiker arbeitete am Deutschen Historischen Institut in Warschau und lebt seit 2010 als Historiker und Autor in Berlin. Seine historischen Darstellungen Masurens (2001) und Ostpreußens (2005), die die Geschichten dieser Regionen aus postnationaler Perspektive beleuchten, wurden von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen. Mit seinem Bestseller »Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945« (2008) hat er eindrucksvoll den Mythos der rundum gelungenen Integration der Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland erschüttert. Zuletzt erschien »Flucht – Eine Menschheitsgeschichte« (2020), eine Darstellung von Flüchtlingsschicksalen, die zeigt, welche existenziellen Erfahrungen von Entwurzelung und Anfeindung mit dem Verlust der Heimat einhergehen. Für seine Arbeit wurde er mit dem Georg-Dehio-Buchpreis 2008, dem NDR Kultur Sachbuchpreis 2020 sowie dem Preis für »Das politische Buch« 2021 der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet.“ Quelle: https://presse-api.penguinrandomhouse.de/document/edition/9783886809738
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Einordnung für die Bildungsarbeit |
Die Themenfelder, die das Buch anspricht haben viel mit Themen aus dem Ethik- und Philosophieunterricht zu tun: Die Entwicklung individueller Persönlichkeit, Ängste und Hoffnungen - zugleich auch gesellschaftliche Entwicklungen, die sich in diesem Roman in der stadt Lodz abzeichnen - vor allem die Probleme im Zusammenleben unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit ihren unterschiedlichen Interessen. Hier ein Impuls für ein einführendes Gespräch: „Lodz, das seiner rasanten Entwicklung keine Zeit gehabt hatte, eine eigene Identität auszubilden, erlebte erst nach 1918 nationale Spannungen. Die drei Bevölkerungsgruppen – Polen, Juden und Deutsche – reklamierten zunehmend eigene Interessen, was das bislang friedliche Zusammenleben auf eine harte Probe stellte. Der wachsende Nationalismus – insbesondere auf polnischer und deutscher Seite – polarisierte immer mehr Menschen, auch in Lodz. Als das Deutsche Reich schließlich 1939 Polen überfiel, machten die Besatzer Lodz zu ihrer Terrorzentrale. »Litzmannnstadt« nannten sie Elses Stadt, die mit allen Mitteln germanisiert werden sollte. Mitten im Stadtzentrum – sichtbar für alle – entstand ein Sklavenstaat, das erste Großgetto. Aus dem einstigen gelobten Land wurde die Hölle auf Erden. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten in der Stadt dann fast nur noch polnische Lodzer – neben wenigen verbliebenen Juden und Deutschen: Die deutsche Terror- und Vernichtungspolitik und der anschließende Exodus der deutschen Lodzer hatten erstmals in der Stadtgeschichte ein ethnisch homogenes Lodz geschaffen. Ein weiterer Impuls aus einer Rezension des Buches: »Andreas Kossert folgt den Spuren seiner Großmutter mit der Akribie des Historikers und der Empathie des Enkels. ›Elsas Welt‹ ist das Plädoyer für ein Leben dazwischen: zwischen Ländern, Sprachen und Kulturen. Aus solchen Erzählungen sollte die Geschichte bestehen, die wir unseren Kindern unterrichten.« (Karolina Kuszyk ) Quelle: https://presse-api.penguinrandomhouse.de/document/edition/9783886809738
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Martin Geisz, 2026