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Materialien „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung“ - Globales Lernen und Philosophie lernen
Buchhinweis |
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Bibliographische Angaben: |
Katja
Wagner, Maria Neuhauss, Maximilian Hauer: Klima
und Kapitalismus: Plädoyer
für einen ökologischen Sozialismus. Schmetterling
Verlag. Stuttgart 2025. Reihe: theorie.org
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ZUM BUCH: |
Wie die Linke auf die Klimakrise reagieren soll, ist heftig umstritten. Dieses Buch macht sich auf die Suche nach Verbindungen zwischen «grünen» und «roten» Perspektiven.
Es im Buch zunächst darum im Blick auf das „Problemfeld Klimawandel“, die „gesellschaftlichen Triebkräfte“ zu bestimmen Dabei wird im Rückgriff auf neuere, ökologische Interpretationen des Werks von Karl Marx herausgearbeitet: „Die Klimakrise entspringt nicht dem Wesen des Menschen, sondern den besonderen ökonomischen Gesetzen der kapitalistischen Gesellschaft.“
Davon ausgehend werden verschiedene politische Antworten auf die Klimakrise der Gegenwart in den Blick genommen. Die Autorinnen und Autoren formulieren zu Ihrem Vorgehen: „In diesem Buch argumentieren wir daher für eine Systematisierung im Denken wie im Handeln. Um die Welt zu verändern, muss man sie zunächst richtig interpretieren. Im ersten Teil unseres Buches stellen wir daher zunächst eine wissenschaftliche Analyse des Klimawandels vor. Doch was heißt wissenschaftlich überhaupt? In der Linken herrscht mitunter eine gewisse Skepsis gegenüber dem Begriff der Natur und den Naturwissenschaften (vgl. Hauer 2023a: 81–84). Das ist kaum verwunderlich: «Natur» wurde in der Geschichte immer wieder in Anschlag gebracht, um die soziale Ungleichbehandlung zwischen Geschlechtern und Ethnien patriarchal und rassistisch zu rechtfertigen oder gesellschaftliche Verhältnisse als unveränderbar darzustellen (vgl. Honegger 1991). Linke Kritik zielt heute daher oft auf die Unterscheidung von Natur und Gesellschaft. Dabei will sie aufdecken, dass das, was auf den ersten Blick natürlich scheint, in Wahrheit «naturalisiert» wurde. Gesellschaft, Geschichte und Kultur werden somit kritisch als eigenständige Bereiche aus der Natur herausgelöst und als Resultate menschlicher Praxis verstanden, die somit potenziell durch kollektives Handeln verändert werden können.“ S.9 f.)
Das Inhaltsverzeichnis verdeutlicht Schwerpunktsetzungen, Gedanken- und Argumentationsgänge Inhaltsverzeichnis
Einleitung .......................................................................................7 1. Der menschengemachte Klimawandel ...............................16 1.1 Das Klimasystem der Erde.........................................................16 Treibhauseffekt und Kohlenstoffkreislauf..................................17 1.2 Der Eingriff in den Kohlenstoffkreislauf und seine Folgen..........19 Die Verselbständigung des Klimawandels ................................22 Die Auswirkungen des Klimawandels ......................................24 Die Zukunft des Klimawandels .................................................29 1.3 Jenseits des Klimawandels: Anthropozän und planetarische Grenzen .................................32 2. Natur und Gesellschaft im Kapitalismus..............................34 2.1 Die materialistische Geschichtsauffassung ...............................34 «Der Mensch»..........................................................................34 Natur – Arbeit – Gesellschaft ...................................................36 Produktionsweise und Geschichte ...........................................39 2.2 Die kapitalistische Produktionsweise .........................................41 Ursprünge................................................................................41 Die doppelte Trennung in den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen ............................................................45 Die Akkumulation des Kapitals ................................................48 2.3 Kapitalismus und stoffliche Welt ..............................................52 Rücksichtslosigkeit gegenüber den stofflichen Grundlagen.......52 Kapitalismus und Produktivkraftentwicklung ............................56 Akkumulation und Natur .........................................................60 Der Riss im Stoffwechsel...........................................................61 Die Klimakrise als Riss im Stoffwechsel .....................................65 Ökologische Krisenentwicklung: Rifts & Shifts...........................66 2.4 Ökonomie und Politik...............................................................68 3. Der fossile Kapitalismus........................................................72 3.1 Vom Wasser zur Kohle: Die Entstehung des fossilen Kapitals ....73 Die protofossile Ökonomie .......................................................73 Klassenkämpfe im frühen Kapitalismus.....................................74 Der Durchbruch der Kohle........................................................76 3.2 Die Konsolidierung des fossilen Kapitalismus ...........................78 Die Kohle als Basis der zweiten industriellen Revolution............78 Der Aufstieg des Öls.................................................................80 6 Der Weg ins Anthropozän........................................................82 Chinas Fabrik der Welt .............................................................86 3.3 Untergang des fossilen Kapitalismus? Ein Ausblick ...................88 4. Die Politik mit dem Klimawandel.........................................92 4.1 Vom Kyoto-Protokoll zum Pariser Klimaabkommen ..................93 4.2 Das Geschäft mit den Verschmutzungsrechten: der Emissionshandel ................................................................97 4.3 Die Energiewende in Deutschland (und anderswo) .................105 4.4 Fossile Bewältigungsstrategien: Climate Engineering ..............116 5. Die Klimabewegung ...........................................................122 5.1 Fridays for Future ...................................................................124 5.2 Extinction Rebellion und Letzte Generation ............................126 5.3 Ende Gelände und der linksradikale Bewegungsarm...............132 5.4 Ausblick: Ein «Labour turn» der Klimabewegung?..................134 6. Der Green New Deal ...........................................................138 6.1 Die Stärken des Green New Deal............................................140 6.2 Die Schwächen des Green New Deal .....................................142 Die Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts................................142 An die Regierung kommen ohne die Macht zu übernehmen ...146 Kein Abschied vom Wachstums- und Verwertungszwang.......149 Die Reproduktion imperialer Verhältnisse................................150 7. Degrowth/Postwachstum ..................................................156 7.1 Von den Grenzen des Wachstums zur Postwachstumsbewegung......................................................156 7.2 Die Stärken von Degrowth .....................................................158 7.3 Die Schwächen von Degrowth................................................160 8. Ökologischer Sozialismus ...................................................167 8.1 Eckpunkte eines ökologischen Sozialismus..............................167 Gesellschaftliche Planung statt Privateigentum ......................167 Demokratie, Ökologie und Sozialismus ..................................169 Technologie............................................................................172 Die Maßgabe der sozialen Ein- und Vorsicht...........................174 Reichtum und Bedürfnisse......................................................175 8.2 Klasse, Klimabewegung und Sozialismus................................178 Abschied von der Arbeiter:innenklasse?..................................178 Warum die Arbeiter:innenklasse? ...........................................180 Klasse vs. Klima? ....................................................................182 Ökologische Klassenpolitik und Sozialismus............................185 Literaturverzeichnis ...................................................................189
Inhalt, Vorwort, Leseprobe: https://schmetterling-verlag.de/wp-content/uploads/3-89657-645-3-Vorwort.pdf
zu den Autorinnen und Autoren
„Katja Wagner, Maximilian Hauer und Maria Neuhauss leben und arbeiten in Leipzig. Sie sind bzw. waren im kommunistischen Bildungsprojekt translib aktiv und haben hier über viele Jahre gemeinsam an der Aktualisierung kommunistischer Gesellschaftskritik und Politik mitgewirkt. Die Autor:innen haben zahlreiche Beiträge zu verschiedenen Aspekten linker Gesellschaftskritik veröffentlicht, u. a. zum Klassenbegriff, materialistischer Staatskritik, der Geschichte der Frauenbewegung und sozialistischer Klimapolitik.“ (Quelle: https://schmetterling-verlag.de/produkt/klima-und-kapitalismus/ )
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Einordnung für die Bildungsarbeit |
Zur (auch kontroversen) Diskussionen um das in diesem Buch betrachteten Themenfelds „Klima und Kapitalismus“, das auch in der „Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung“ einen wichtigen Stellenwert hat in Arbeitsgruppem und auch in fortgeschrittenen Lerngruppen der Sekundarstufe II kann an folgendes Zitat aus dem Vorwort angeknüpft werden: „Gegen solche Vereinseitigungen argumentieren wir für eine umfassende materialistische Herangehensweise, die die objektive Entwicklung der Klimakrise naturwissenschaftlich begreift und ihre tieferen sozialen und historischen Ursachen mithilfe einer marxistischen Gesellschaftstheorie und Geschichtsschreibung aufschlüsselt. Nur durch diese Verbindung entsteht eine realistische Erkenntnis der Wirklichkeit, auf deren Grundlage sinnvoll gehandelt werden kann. Die gesellschaftstheoretische Analyse zeigt dabei, dass die Klimakatastrophe weder als Frucht einer ewig zerstörerischen menschlichen Natur noch als zufällige Fehlentwicklung begriffen werden kann. Vielmehr ist sie eines von mehreren Phänomenen, in denen heute das fundamental gestörte Verhältnis von Natur und Gesellschaft im Kapitalismus erscheint. Bereits die elementaren Formen der kapitalistischen Wirtschaftsweise wie Privateigentum, Ware, Geld, Wert, Markt und Kapital enthalten den Keim ökologischer Krisen, auch wenn deren konkrete Entfaltung von spezifischen historischen Umständen abhängt.“ (S. 11)
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Martin Geisz, 2025